Seit den 1960er- und 1970er-Jahren sind ERP-Systeme das Herzstück der Unternehmenssteuerung. Die ersten Anwendungen waren monolithisch aufgebaut, liefen auf Großrechnern und deckten vor allem Material- und Produktionsplanung ab. In den 1990er-Jahren kamen Funktionen wie CRM, Finanzbuchhaltung und Lagerverwaltung hinzu.
Heute stehen Unternehmen jedoch vor neuen Herausforderungen: kürzere Produktzyklen, volatile Märkte, zunehmende Datenmengen und steigende Erwartungen an Geschwindigkeit und Flexibilität. Klassische ERP-Architekturen geraten dabei an ihre Grenzen.
Vom Monolithen zur Cloud
Immer mehr Unternehmen setzen auf Cloud-ERP oder hybride Modelle. Das erlaubt eine schnelle Einführung, flexible Skalierung und ortsunabhängigen Zugriff. Hybride Lösungen kombinieren die Vorteile der Cloud mit der Sicherheit lokaler Datenhaltung – ein wichtiger Aspekt für Branchen mit hohen Compliance-Anforderungen.
Ein Umstieg bedeutet nicht zwingend eine vollständige Ablösung. Häufig werden bestehende Systeme schrittweise modernisiert, um Kosten zu verteilen und Betriebsabläufe nicht zu unterbrechen.
Künstliche Intelligenz & Automatisierung
Moderne ERP-Systeme integrieren zunehmend Künstliche Intelligenz. Dazu gehören Machine Learning für Prognosen, Agentic AI für autonome Prozessentscheidungen oder Predictive Analytics zur vorausschauenden Planung.
Laut Marktanalysen werden bis 2028 rund 15 % der täglichen Geschäftsentscheidungen in ERP-Systemen autonom durch AI-Komponenten unterstützt. Das steigert Effizienz und gibt Mitarbeitenden mehr Raum für strategische Aufgaben.
Modularität als Erfolgsfaktor
Während klassische ERP-Systeme oft als starre Komplettlösung eingeführt wurden, setzen heutige Anbieter auf Composable ERP. Das bedeutet, dass Module – z. B. für Einkauf, Produktion oder Vertrieb – flexibel zusammengestellt werden können. Unternehmen wählen genau die Bausteine aus, die sie benötigen, und erweitern bei Bedarf.
Das Ergebnis: Systeme, die sich schneller an neue Märkte, Produkte oder Geschäftsmodelle anpassen lassen
Echtzeit-Daten & IoT
Die Verknüpfung mit IoT-Geräten ist ein weiterer Trend. Produktionsmaschinen, Lager-Scanner oder Transportfahrzeuge liefern Echtzeitdaten, die direkt ins ERP einfließen. Dadurch können z. B. Wartungen geplant, Lieferketten optimiert oder Bestände automatisiert nachbestellt werden.
So entsteht eine nahtlose Verbindung zwischen physischer und digitaler Welt – eine Grundvoraussetzung für effiziente Abläufe.
Sicherheit & Datenhoheit
Mit der Verlagerung in die Cloud rückt das Thema Sicherheit stärker in den Fokus. Moderne ERP-Plattformen bieten Verschlüsselung, rollenbasierte Zugriffe und Protokollierung. Hybride Modelle ermöglichen es, besonders sensible Daten weiterhin lokal zu speichern, während weniger kritische Prozesse in die Cloud ausgelagert werden.
Praxisbeispiel SAP
Einer der großen ERP-Anbieter, SAP, treibt den Cloud-Kurs mit S/4HANA Cloud konsequent voran. 2024 verzeichnete das Unternehmen ein starkes Wachstum im Cloud-Geschäft. Gleichzeitig investiert SAP gezielt in AI-Technologien, um Analyse- und Automatisierungsfunktionen auszubauen.
Fazit
Die Zeit rein klassischer ERP-Systeme geht zu Ende. Die Zukunft gehört modularen, Cloud-basierten Lösungen mit integrierter KI. Unternehmen, die heute ihre ERP-Strategie überdenken, sollten auf eine schrittweise Modernisierung setzen: bestehende Systeme weiter nutzen, aber gezielt mit Cloud-Modulen, KI-Funktionen und IoT-Anbindungen ergänzen.
So bleibt die ERP-Landschaft flexibel, zukunftsfähig und anpassbar – ohne den laufenden Betrieb zu gefährden.